Mogelpackung

Media

Ökostrom von Energie SaarLorLux: eine Mogelpackung

Saarbrücken, 09.08.2008 - „Ökostrom von Energie SaarLorLux ist eine Mogelpackung“ verkünden bunte Kreideschriftzüge und ein 2,50 m hohes Banner in der Bahnhofsstraße in Saarbrücken. Mitglieder der Greenpeace-Gruppe Saar verschenken kleine, symbolische, grüne Mogelpackungen und informieren neugierig gewordene Passanten über die „Ökostrom-Mogelpackung“ des Energieversorgungsunternehmens Energie SaarLorLux.

Die Greenpeacer empfehlen Saarbrücker BürgerInnen, die für Klimaschutz aktiv werden wollen, zu einem der vier echten, von den großen Umweltverbänden anerkannten Ökostromanbietern zu wechseln, zum Beispiel zu Greenpeace Energy oder den EWS Schönau.

Seit Beginn 2008 erhalten laut Energie SaarLorLux alle Privatkunden automatisch “Ökostrom”. Viele Kunden des Unternehmens werden nun glauben, nicht mehr den Stromanbieter wechseln zu müssen, um für Klimaschutz aktiv zu werden. Schließlich empfehlen die großen Umweltorganisationen seit Jahren, dass man Ökostrom beziehen soll, um Klimaschützer zu werden – und “Ökostrom” hat man ja jetzt. Deshalb ist man auch für den Klimaschutz aktiv. Oder?

“Leider ist der “Ökostrom” von Energie SaarLorLux eine Mogelpackung. Es ist tragisch wenn Menschen, die für den Klimaschutz aktiv werden wollen, solchen Pseudo-Angeboten aufsitzen und der gute Impuls, sich für unser aller Zukumft einzusetzen, dann ins Leere läuft. RECS Zertifikate, wie sie Energie SaarLorLux nutzt, sind nur für das Image des Unternehmens förderlich – nicht für den Klimaschutz,”, so Kirstin Bettscheider, Klima-Referentin der Greenpeace-Gruppe Saar.

Energie SaarLorLux kauft für sein “Ökostrom”-Angebot so genannte RECS-Zertifikate aus einem alten Wasserkraftwerk in Norwegen. Die spottbilligen Zertifikate werden dann benutzt, um konventionellen Strom aus nicht definierten Kraftwerken grün einzufärben. Das Unternehmen ist so berechtigt, seinen grün gewaschen Strom als “Ökostrom aus Norwegen”
zu verkaufen. “Es handelt sich schlicht um durch RECS ermöglichten Etikettenschwindel. Den eigentlichen Strom kauft Energie SaarLorLux weiter in Kohle- oder Atomkraftwerken ein“, so Bettscheider.

”Das Ganze ist für den Kunden irreführend, aber leider durch das RECS System legalisiert. Im Gegenzug zum Grün-Waschen bei Energie SaarLorLux muss das Wasserkraftwerk in Norwegen seinen sauber produzierten Strom als “Graustrom” verkaufen. Fast der gesamt Strom Norwegens stammt aus Wasserkraftwerken und so fragt dort niemand nach Ökostrom. Der Nutzen für die Umwelt, wenn ich den Strom in Saarbrücken grün umetikettiere und den in Norwegen als Graustrom etikettiere, ist gleich Null. Auch das Geld der Kunden landet über den eigentlichen Stromeinkauf immer noch größtenteils bei den Betreibern von Kohle- und Atomkraftwerken. Und bei dem Unternehmen Energie SaarLorLux, für das Klimaschutz trotz großer Worte absolut nachrangig ist.” Auch eine Verpflichtung, erneuerbare Energien auszubauen, gibt es bei diesem Ökostromangebot nicht. Wegen des mangelden Zusatznutzens für Umwelt und Klima, zu dem sich das Unternehmen auf Nachfrage entspannt bekennt, wird der “Ökostrom” des Unternehmens auch von der Verbraucherzentrale des Saarlandes kritisch gesehen. “

“Die Verbraucher verbinden mit dem Begriff Ökostrom einen zusätzlichen Beitrag für Umwelt- und Klimaschutz”, so Bettscheider. Der sei bei einem echten Ökostromanbieter auch gegeben, da dieser nicht nur ein grünes Image verkaufen möchte, sondern nur in erneuerbare Energien investiert und keinen Strom aus Atom- oder Kohlekraftwerken erwirbt. So fließt das Geld der Kunden nicht in den Betrieb oder Ausbau von klimaschädlichen Kohlekraftwerken, sondern in eine nachhaltige, klimafreundliche Umstrukturierung der Energieversorgung. Der Kunde leistet dadurch einen Beitrag zum Klimaschutz - und setzt ein politisches Signal für eine Umstrukturierung der Energielandschaft. Denn er entzieht seine Kundenkraft Konzernen, die weiterhin auf den Ausbau von Kohle – und Atomkraft setzen - und dafür auch Lobbyarbeit machen.

“Und da ist noch etwas, was uns interessieren würde. Energie SaarLorLux kauft in Norwegen die RECS-Zertifikate. Die physikalische Leistung, der eigentliche “Strom”, wird aus anderen Kraftwerken bezogen und dort bezahlt. Woher genau er kommt, hat das Unternehmen nicht offen gelegt, auch auf unsere wiederholte Nachfrage nicht. Warum gibt Energie SaarLorLux darüber keine Auskunft?”

Weitere Informationen zu Greenpeace Energy e.G. bzw. zu den 4 von den großen Umweltverbänden anerkannten Ökostromanbietern finden Sie unter "Weiterführenden Links".

Publikationen

  • PDF icon Die Mogelpackung von Energie SaarLorLuxPDF |163.24 KBFactsheet. Auszug: Immer mehr Stadtwerke stellen ihr Angebot auf Ökostrom um. Und das, ohne ihren Kunden Mehrkosten zu berechnen. Weniger bekannt ist, dass die angeblichen Öko-Angebote praktisch keinen Nutzen für die Umwelt bringen.

Weiterführende Links

Ökostromanbieter
Atomausstieg selber machen!

Tags