Interview mit Prof. Leprich

Professor Leprich bewertet Privatkunden-Ökostromangebot von Energie SaarLorLux als "einzige Mogelpackung"

Interview mit Professor Uwe Leprich von der HTW Saarbrücken über "schlechten" und "guten" Ökostrom
(aus: energy.aktuell, Kunden- und Mitgliederzeitschrift von Greenpeace Energy, 17. November 2008)

"Es zählt das Engagement der Anbieter für die Energiewende"

Energy aktuell:: Herr Professor Leprich, Ihre neue Studie stellt "Ökostrom auf den Prüfstand". Warum ist das nötig?
Uwe Leprich:: Das wachsende Angebot an Ökostromprodukten zeigt, dass eine Nachfrage nach "ökologisch korrekt eingeschätztem Strom" besteht. Die "ökologische Korrektheit" des Ökostroms ist häufig jedoch nur schwer nachweisbar, in jedem Fall aber schwer zu kommunizieren. Dies öffnet Tor und Tür für unseriöse Angebote, zumal der Begriff Ökostrom in keiner Weise geschützt ist.

E a: Was hat sie auf das Thema neugierig gemacht, und wie sind sie vorgegangen?
Leprich: Ich hatte mich Ende letzten Jahres sehr über meinen ortsansässigen Stromversorger geärgert, der großflächig plakatierte, meine Stadt sei nun "Ökostrom-Hauptstadt", aber bislang in keiner Weise damit aufgefallen war, etwas für Klimaschutz zu tun. Bei näherem Hinsehen entpuppte sich der so beworbene Ökostrom denn auch als eine einzige Mogelpackung, die wohl lediglich zum Ziel hatte, die bundesweiten Ökostromanbieter in Schach zu halten.

E a: Warum handelt es sich bei jenem Angebot um eine Mogelpackung?
Leprich: Weil solcher Ökostrom nur ohnehin erzeugten Regenerativstrom neu vermarktet und den Kunden vorgaukelt, sie würden dadurch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Im schlechtesten Fall wird dadurch das eigene Umweltengagement der Kunden sogar gebremst.

E a: Wieso denn das?
Leprich: Weil sie nicht zu gutem Ökostrom wechseln. Der treibt den Ausbau "guter" Stromerzeugungsanlagen voran, trägt zum Bewusstseinswandel in der Gesellschaft bei und flankiert sinnvoll bestehende Fördergesetze, die auch auf mittlere Sicht notwendig bleiben werden. Er wird von Unternehmen angeboten, die sich von dem Geschäftsmodell der großen Energiekonzerne abgrenzen und dem Verbraucher zeigen, dass es auch anders geht.

E a: Wie können Verbraucher guten Ökostrom erkennen?
Leprich: Das ist selbst für den Fachmann sehr schwierig und die Fülle der unterschiedlichen Labels stiftet eher weitere Verwirrung. Ich bin immer sehr skeptisch, wenn Ökostrom "ohne Aufpreis" angeboten wird - das ist fast immer eine Mogelpackung. Auch die Vermarktung von Ökostrom auf der Basis von sogenannten RECS-Zertifikaten trägt nur in absoluten Ausnahmefällen zum Klimaschutz bei. Guter Ökostrom wird heute von Anbietern angeboten, die sich immer schon für Umwelt- und Klimaschutz engagiert haben, die alle Anstrengungen unternehmen, den Neubau von Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien und der hocheffizienten Kraft-Wärme-Kopplung voranzutreiben und die dies dem Verbraucher gegenüber auch maximal transparent darstellen.

E a: Wie lässt sich das noch verbessern?
Leprich: Die Ökostromanbieter sollten sich noch stärker um Transparenz bemühen und die Kunden über die tatsächlichen Auswirkungen ihres Strombezugs auf den Klimaschutz verdeutlichen. Sie sollten zudem energiepolitisch Farbe bekennen und ihre Aktivitäten in den Rahmen einer nachhaltigen Energiewirtschaft stellen. Dabei müssen sie die Eckpfeiler ihres Grundverständnisses von einem nachhaltigen Energiesystem den Kunden offen legen und ihre Umsetzung gegenüber der Politik offensiv einfordern.
Kurzum: Ökostromanbieter sollten sich stärker energiepolitisch als Vertreter einer grundsätzlichen Energiewende profilieren.

zur Aktion Ökostrom von Energie SaarLorLux

Publikationen

  • PDF icon Die Mogelpackung von Energie SaarLorLuxPDF |163.24 KBFactsheet. Auszug: Immer mehr Stadtwerke stellen ihr Angebot auf Ökostrom um. Und das, ohne ihren Kunden Mehrkosten zu berechnen. Weniger bekannt ist, dass die angeblichen Öko-Angebote praktisch keinen Nutzen für die Umwelt bringen.

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